Tagung Perspektivenwechsel in Frankfurt 2011

am 31. März im Frankfurter Löwenhof

Gastgeber des Aktionstages war das Theater Gruene Sosse.

Theater geht auf Schule zu. Schule geht auf Theater zu. Und dennoch könnten die Perspektiven dieser beiden Institutionen kaum unterschiedlicher sein. Die Theater reklamieren künstlerische Freiheit und Prozesshaftigkeit, die Schulen haben Lernziele zu erfüllen und müssen vielfältigen Anforderungen genügen. Das Zusammentreffen von Lehrern, Schülern und Theatern fordert geradezu zum Nachdenken über die eigene und die fremde Perspektive heraus. Manchmal sind daher Perspektivenwechsel nötig, um den anderen zu verstehen. Auf der Arbeitstagung werteten die Vertreter der Theater und der Schulen FLUX aus und benannten Chancen und Stolpersteine.

Sechs Theater stellten ihre Schulprojekte zur Diskussion. Karola Marsch (Leitende Dramaturgin am Jungen Staatstheater Berlin) befragte die künstlerischen Labore und entwickelte so auch Qualitätskriterien für die künstlerische Arbeit im Labor.

Recherche

1. Welche Techniken der Recherche wurden angewandt?
2. Wie wurde das recherchierte Material vorgestellt?
3. Wie wurde aus dem recherchierten Material Kunst?
4. Was stand im Vordergrund: das Suchen, Finden, Fragen, Forschen oder das Suchen, Finden, Fragen, Forschen für die Umsetzung auf der Bühne? Hat die Recherche, ihre Art und Weise, das Kunstwerk gelenkt, bestimmt, notwendig gemacht, mit welchen künstlerischen Mitteln wurde "übersetzt" oder diente die Recherche lediglich der Generierung von Informationen?

Material

1. Analyse des Materials nach Sorten/Arten: Texte, Lieder, Sound, Musik, Bewegung, Objekte etc.
2. Wie wurde das Material ausgewählt, nach welchen Kriterien: Thema, Idee, Dramaturgie, Rhythmus, logische Abfolge, kausaler Zusammenhang, Geschmack, Gesamtbogen, Vollständigkeit des Erzählten, Lücken im Erzählten, Vorlieben
3. Wer hat über die Auswahl entschieden? Hat sich das verändert? Wie wurde das Material zusammengetragen?
4. Was passierte mit dem Material in der Transformation auf die Bühne? Brachte das Material eine eigene Qualität, einen Eigensinn mit, die eine bestimmte künstlerische Umsetzung notwendig machten?
5. Wie wurde das gefundene, ausgewählte Material im Arbeitsprozess in der Gruppe präsentiert? In künstlerischen Formaten? Haben diese Präsentationen dann Eingang in die Gesamtpräsentation gefunden? Bzw. hatten diese Präsentationen den Charakter der künstlerischen Erprobung des Materials?

Partizipation

1. Hat Partizipation im Projekt stattgefunden? Auf welche Art und Weise?
2. In welchen Arbeitsschritten haben die Teilnehmer partizipiert? Wo war es erwünscht, gefordert, gefördert (wie?) — wo nicht und warum?
3. Was hat die Partizipation bewirkt: für die Gruppe/den Leiter/das Projekt/das Kunstwerk?
4. Hat sich Partizipation zwischen Zuschauern und Akteuren während der Präsentation ereignet? Welcher Art? Wenn ja, wie hat sich das auf die Aktionen auf der Bühne und die Rezeption durch die Zuschauer niedergeschlagen?